BERGWÄLDER DER ALPEN

Die Bergwälder im bayerischen Alpengebiet und an der Nordalpenkette wachsen in ihren verschiedenen Ausprägungen zwischen 600 m ü. NHN (Meter über Normal Höhen Null) und 1700 m ü. NHN. Die natürliche, vom Klima bedingte Waldgrenze liegt etwa 200 bis 300 Meter höher, wurde aber während der vergangenen Jahrhunderte vor allem durch die Land- und Almwirtschaft nach unten gedrückt. In den Zentralalpen (inneralpiner Bereich) stehen Wälder bis in Höhen von 2400 m ü. NHN.

Die Bergwälder der Alpen gelten als ästhetische „Kleinodien“ und bilden einen wichtigen Schutz vor Naturgefahren. Im Umfeld der dicht besiedelten und hoch industrialisierten Wirtschaftsräume Mitteleuropas bilden sie „ökologische Ausgleichsflächen“.

Den alpinen Höhenlagen kommt jetzt und in Zukunft eine ganz besondere Bedeutung für die Erhaltung der Artenvielfalt unter den Bedingungen des Klimawandels zu.

Aufgrund des Gebirgsreliefs und ihrer unzugänglichen Lage verfügen Bergwälder oft noch über alte und starke Baumbestände, einen (fast) natürlichen Totholzanteil, vielfältige Strukturen und kleinräumige Standortunterschiede. Dies spiegelt sich auch in einer heute noch vielfach natürlichen Arten-Vielfalt wieder - etwa bei den Vögeln, den Totholzbewohnenden Insekten, Pilzen und Flechten.

Tausende Arten gehören zu diesen Waldgesellschaften der natürlichen (Berg)Wälder, die sich u. a. nach Höhenstufen, geologischem Untergrund, Niederschlagsmenge und -verteilung und der Expositionsrichtung und -neigung der Landschaftsreliefs erheblich voneinander unterscheiden. Auf engstem Raum gibt es die unterschiedlichen Ausprägungen – von sonnig-warm-trockenen Wäldern auf Südhängen über schattig-kühl-feuchte Schluchtwälder in Nordhängen bis hin zu den wetterzerzausten Wäldern der „Kampfzonen“ in der Nähe der Baumgrenzen.

Die Vegetationstufen im Gebirge werden vor allem vom örtlichen Klima bestimmt. In höheren Lagen sind die Vegetationszeiten kürzer, die Bäume wachsen langsamer. Bäume exponierter Standorte sind an höhere Windstärken, intensivere Sonneneinstrahlung mit hohen Temperaturen am Tag und tiefen Temperaturen in der Nacht und an Austrocknung angepasst. Bäume im Bergwald ertragen starken Frost, große Schneelasten und lange Schneebedeckung.

Hohe Niederschläge und häufige Nebel- und Wolkenbildung bestimmen vor allem die Alpennordseite und deren Nordhänge. Dagegen gehören in den Ost-West-Tälern der Zentralalpen – und dort besonders an den Südhängen – längere Trockenperioden zum normalen Klimageschehen.

Neben intakten und vielfältigen Bergwäldern ist aber die Gefährdung „reifer“ alpiner Schutzwälder – vor allem an der Alpennord-, und -südseite und entlang der Transitrouten – besonders groß. In ihrem heutigen Zustand sind diese Wälder denkbar schlecht auf den Klimawandel vorbereitet. (s. LINK: „Bergwald im Klimawandel“)

Natürlichen und naturnah-artenreichen Wäldern werden die größten Chancen eingeräumt, flexibel auf den Klimawandel zu reagieren. Das Waldinnenklima mit geringerer Windgeschwindigkeit, geringerer Tagesamplitude der Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit bieten Lebensräume, die selten werden.

Niemand weiß, wie die Waldökosysteme der Alpen auf den Klimawandel reagieren werden. Deshalb ist die Erhaltung des natürlichen (!) Arten-Potentials besonders wichtig. Es ermöglicht den Ökosystemen auf der Grundlage (ausgangs-)standörtlich bewährter Vielfalt der Arten und ihrer Ökotypen Anpassungen an die veränderten Lebensbedingungen.