Zustand alpiner Bergwälder

Bergwälder sind für die Artenvielfalt in Zeiten des Klimawandels und als Schutzwälder besonders wertvoll. Der flächenmäßigen Waldzunahme im Alpenraum (vor allem Jungbestände auf aufgegebenen Almen und Agrarland-Flächen) steht aber die Gefährdung „reifer“ alpiner Schutzwälder gegenüber – vor allem an der Alpennord- und -südseite sowie entlang der Transitrouten.

Zahlreiche Bergwälder sind so stark geschädigt, dass sie viele ihrer wichtigen Funktionen nicht mehr erfüllen können. Sie sind belastet durch Luftschadstoffe und die Folgen der Klimaänderung, besonders anfällig für Sturmwurf, artenarm durch einseitige Bewirtschaftung und unnatürliche Bestockung, artenarm durch Wildverbiss und Schälschäden (12,6% aller Bäume im bayerischen Gebirge weisen alte oder neue Schälschäden durch Rotwild auf!) und haben oft zu geringe Stammdichte, um die notwendigen Schutzfunktionen zu erfüllen.

Die natürlichen Bergmischwälder der Nordalpen wurden durch Überhege von Schalenwild (Trophäenjagd) und den dadurch verursachten überhöhten Wildverbiss sowie aus forstökonomischen Gründen („Brotbaum Fichte“) über Jahrhunderte zu unzureichend gemischten oder reinen Fichtenbeständen. Von Natur aus wachsen Fichtendominierte Wälder erst in der subalpinen Stufe (ab ca. 1500 m ü.NHN), nicht aber in der Stufe der Bergmischwälder (600 - 1.500 m ü. NHN).

Heute nehmen im bayerischen Alpenraum Fichtenwälder und Fichtenforste über 60 % der Waldflächen ein. Die ohnehin geringe Verjüngung dieser Bergwälder besteht in der Altersstufe 20 – 40 Jahre zu über 75% aus Fichte (Zweite Bundeswaldinventur 2002): Rothirsch, Reh und Gams verbeißen Fichten erst dann, wenn die anderen Bäumchen, Sträucher und die krautigen Pflanzen schon stark dezimiert sind. Allein durch Wildverbiss entstehen an den bayerischen Wäldern Schäden in Milliardenhöhe.

Die Belastung durch giftige und klimaverändernde Luftschadstoffe stellt für die Wälder seit Jahrzehnten einen bedeutenden Stressfaktor dar. Gerade Fichtenwälder und -forste sind durch die hohen Schadstoffeinträge, die dadurch bedingte Labilität der Bäume und die Folgen des Klimawandels besonders gefährdet. Starker Borkenkäferbefall und Extremwetterereignisse geben dann den Fichten auf allen Standorten – bis in die subalpine Stufe – den Rest.

Aus Angst vor weiterem „Käferbefall“ werden die befallenen Bäume schnell beseitigt und Sturmwurf-Flächen geräumt, so dass große Kahlflächen entstehen. Junge Bäumchen („Verjüngung“) und Bodenstruktur werden bei der Räumung beschädigt oder zerstört. Die Bedingungen unterscheiden sich dann vom optimalen Waldinnenklima durch unverminderte Sonnenstrahlung, tiefere Temperaturen bei Nacht und höhere bei Tag, vollständige Schneebedeckung des Bodens, ungebremsten Wind, Austrocknung des Bodens, größere Erosionsgefahr und stärkeren Wildverbiss.

Vögel, die die Samen der Pionierbaumarten (Mehlbeere, Vogelbeere, Traubenholunder, etc.) verbreiten, landen kaum. Damit wird der Sameneintrag erschwert. Das alles begünstigt Graswuchs statt Baumwuchs.

Diese Flächen müssen mit hohem finanziellen Aufwand bepflanzt und an besonders kritischen Stellen muss künstlich verbaut werden: „temporär“, um die neuen Bäumchen zu schützen und „auf Dauer“, um einen Teil der Schutzfunktionen zu gewährleisten. Der Verbau ersetzt nicht den Wald, sondern bietet bestenfalls Lawinenschutz – mit verbautem Landschaftsbild. Außerdem ist er fast unbezahlbar: 1 Hektar permanenter Lawinenverbau kostet bis zu 1 Mio €, wobei man hofft, dass er für etwa 100 Jahre Schutz bietet.